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Sind Hunde Individualisten oder Gruppentiere? Psychologen starten Hunde-Studie

Psychologen der Universität Hildesheim untersuchen in einer Studie, wie das Verhalten anderer Hunde die Entscheidungen eines einzelnen Hundes beeinflusst: Was ist einem Hund wichtiger, ein Leckerli oder die Gemeinschaft mit anderen Hunden? Und welche Rolle spielt dabei seine „Persönlichkeit“? Die Sozialpsychologen kennen sich aus mit Entscheidungen in Gruppen. So untersuchen die Forscher etwa, wie der Informationsaustausch und Entscheidungsprozesse in politischen Gremien ablaufen und verbessert werden können. In einer aktuellen Studie fanden Andreas Mojzisch und Markus Germar heraus, dass bereits basale Wahrnehmungsprozesse durch die Meinung von anderen Menschen beeinflusst werden können.

Sind Hunde Individualisten oder Gruppentiere – das wollen Andreas Mojzisch, Professor für Sozialpsychologie, und Markus Germar herausfinden. Es gibt bereits viele Studien, die zeigen, dass Hunde voneinander lernen können. Hunde können demnach das Verhalten anderer Hunde nutzen, um Probleme zu lösen. So können sie etwa per Beobachtung von anderen lernen, wie sie an verstecktes Futter herankommen, sagt Markus Germar. Bisher wurde aber nicht untersucht, ob Hunde andere Hunde auch aus ausschließlich sozialen Gründen nachahmen. Folgt ein Tier seiner eigenen Erfahrung, oder schließt es sich der Gruppe an? Spielt dabei die „Persönlichkeit“ des Hundes eine Rolle? Diese Fragen untersuchen die Psychologen nun erstmals wissenschaftlich. Dabei arbeiten die Forscher, gemeinsam mit der Hundetrainerin Amira Sultan, mit Verhaltensexperimenten, etwa jenem: Der Hund steht vor der Wahl, einen Raum durch die linke oder die rechte Tür zu verlassen. Hinter der einen liegt immer ein Leckerli. Nun beobachtet der Hund, wie drei andere Hunde eine Entscheidung treffen, sie wählen stets die rechte Tür – hinter der kein Leckerli versteckt ist. Wie reagiert der Hund, folgt er seiner eigenen Erfahrung – oder schließt er sich der Mehrheit an?

Die Arbeitsgruppe „Sozialpsychologie“ der Universität Hildesheim kennt sich aus mit Entscheidungen in Gruppen. So untersuchen die Forscher etwa, wie der Informationsaustausch und Entscheidungsprozesse in politischen Gremien ablaufen und verbessert werden können. In der Politik sei das „Streben nach Einmütigkeit, das Schließen der Reihen“ weit verbreitet, doch es verstellt den Blick für eine kritische Analyse, sagt Andreas Mojzisch. Er forscht zu Gruppenentscheidungen und Gruppenurteilen. Von Abweichlern und Querdenkern könnten Gruppen profitieren. Gremien, die mehr oder weniger einer Meinung sind, können etwa auf den „Advocatus Diaboli“ zurückgreifen und Meinungsdissens künstlich erzeugen. „Meinungsvielfalt bringt allerdings wenig, wenn die Gruppenmitglieder sich nicht trauen, abweichende Meinungen zu äußern“, sagt Mojzisch. Dafür sei Vertrauen nötig.

In einem weiteren Forschungsprojekt, gefördert von der Volkswagenstiftung, untersucht der Hildesheimer Psychologe mit Forschern aus Oxford und London, warum Menschen und Affen fehlerhafte Entscheidungen unter sozialem Einfluss treffen. Dabei gehen die Forscher von der Annahme aus, dass Urteile anderer einen erheblichen Einfluss auf das eigene Verhalten und Denken haben. In einer aktuellen Studie fanden Andreas Mojzisch und Markus Germar heraus, dass bereits basale Wahrnehmungsprozesse durch die Meinung von anderen Menschen beeinflusst werden können. In eine Reihe von Experimenten konnten sie zeigen, dass die Meinung einer Mehrheit dazu führte, dass einzelne Personen vor allem das wahrnahmen, was für die Mehrheitsmeinung sprach (Germar, Schlemmer, Krug, Voss & Mojzisch, 2014, http://psp.sagepub.com/content/40/2/217.long).

Teilnehmer gesucht

Die Forscher suchen nun Hundehalter, die Lust haben mit ihren Hunden an der Studie teilzunehmen. Während eine Hundetrainerin mit dem Hund ein kleines Verhaltensexperiment durchführt, möchten die Psychologen bei Kaffee und Kuchen von den Besitzern erfahren, was ihren Hund individuell ausmacht. Die Studie ist für die Hunde absolut stressfrei, da die Hundetrainerin nur mit positiver Verstärkung (d.h. ohne Bestrafung) arbeitet. Es können allerdings nur Hunde teilnehmen, die keine massiven Verhaltensauffälligkeiten zeigen, wie etwa aggressives Verhalten. Die Studie läuft von Mitte März bis Ende Mai 2014. Nach Abschluss der Studie sind alle Teilnehmer zu einer Vortragsreihe über die Forschungsergebnisse eingeladen.
Kontakt für Hundebesitzer:

Interessierte Hundebesitzer können sich bei Markus Germar, Amira Sultan und Prof. Dr. Andreas Mojzisch melden (unter 05121.883-10932 oder germar@uni-hildesheim.de). Weitere Informationen online: http://evaluation.uni-hildesheim.de/befragungen/sl/hundestudie.

Quelle: "Stiftung Universität Hildesheim"
 
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