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  3. Liebenberger Pferdeforum

 
 
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Neue Wege in der Pferdezucht

Pferdezucht ist für die meisten Züchter Passion, Leidenschaft und Freude am Pferd. Doch bei aller Liebe züchten die wenigsten für den Eigenbedarf. Sie müssen und wollen ihre „Produkte“ auch verkaufen. Die Vorträge und abschließende Diskussionsrunde des 3. Liebenberger Pferdeforums, einer Gemeinschaftsveranstaltung der Deutschen Kreditbank, dem Oldenburger Zuchtverband und den Persönlichen Mitgliedern (PM) der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN), standen daher unter dem Motto: „Zukunft und Perspektiven in Pferdezucht und Pferdesport: Vermarktung um jeden Preis?“

Es ist immer wieder dasselbe. Die einen suchen ein Pferd, die anderen wollen eines verkaufen. Haben sich zwei gefunden, ist der Handel noch lange nicht perfekt. Viele Pferdekäufe scheitern heute an den Röntgenbildern. „Der Käufer möchte durch die Ankaufsuntersuchung sicherstellen, dass das Pferd zumindest zehn Jahre lang hält und funktioniert“, brachte Dr. Karl-Josef Boening, Gründer der Tierklinik Telgte, auf den Punkt, was Kunden sich wünschen. Gemeinsam mit seinem Sohn, Rechtsanwalt Christopher J. Boening, beleuchtete der Tierarzt in Liebenberg die medizinische und rechtliche Seite des Pferdehandels. Und machte die Hoffnungen der Käufer gleich wieder zunichte: „Was auch immer man untersucht, es ist nur eine Momentaufnahme. Es ist nur begrenzt möglich, in die Vergangenheit zu blicken und es gibt keine verlässliche, dauerhafte Prognose für die Zukunft.“ Das gilt auch für die Röntgenbilder, die vielen Käufern heute wichtiger sind als die Ergebnisse der klinischen Untersuchung. „Sie können aber noch so viele Bilder machen, das Problem ist die Interpretation“, sagte Boening. Er forderte daher neben einem neuen Röntgenleitfaden auch die Deklaration spezieller Fachtierärzte für Ankaufsuntersuchungen.

Ein Blick in die Zukunft
Eine Chance, erbliche Gesundheitsprobleme von vorne herein zu vermindern, aber auch besondere Talente zu erkennen, könnte in der genomischen Selektion liegen. „Die lineare Beschreibung spiegelt das Äußere eines Pferdes wider, die genomische Beschreibung die von innen, also des Erbgutes“, erklärte Dr. Mario von Depka Prondzinski. Der Direktor des Werlhof-Instituts frischte mit seinem Vortrag das Wissen der Zuhörer in Sachen Vererbungslehre auf und pries die Vorzüge der Biotechnologie. „Was wäre, wenn wir in die Hengste ‚reingucken‘ könnten, ohne Jahre zu warten?“ fragte er in Anspielung auf die Zuchtwertschätzung, die erst dann verlässliche Zahlen liefert, wenn die Hengste mindestens zwölf Jahre sind. Das Durchschnittsalter der Spitzenhengste im WBFSH-Ranking liegt sogar bei über 23 Jahre. Der Sorge, das Labor könne künftig den Züchter ersetzen, widersprach er jedoch. „Im Gegenteil, die züchterische Erfahrung wird immer wichtiger“, sagte der Wissenschaftler, der selbst Hengsthalter und Sportpferdezüchter ist. Allerdings musste er auch diejenigen, die die Methode am liebsten sofort nutzen würden, vertrösten: „Bevor wir aussagekräftige Ergebnisse liefern können, benötigen wir eine Lehrstichprobe von mindestens tausend Pferden“, sagte er.

Keine Zukunftsmusik mehr ist in der Pferdezucht der Embryotransfer, der nicht zuletzt seit den Erfolgen der Vollgeschwister For Romance und Fasine bei den DKB-Bundeschampionaten immer mehr Aufmerksamkeit erhält. Der stellvertretende Zuchtleiter des Trakehner-Verbandes Neel-Heinrich Schoof präsentierte die Methode als Chance. z.B. auch im Sport hoch erfolgreiche Stuten züchterisch zu nutzen.

Vorsprung durch unvergleichliches Angebot
Was hat Brötchen backen mit Pferdezucht zu tun? Mehr als man auf den ersten Blick vermutet. In seinem äußerst humorigen Vortrag führte Dr. Gerhard Bosselmann, Agrarwissenschaftler und Betreiber der Bosselmann Landbäckerei GmbH, die Gemeinsamkeiten vor Augen, mit denen beide Branchen zu kämpfen haben: sinkende Kaufkraft, Import aus Ausland, Mengenangebote ("Es gibt von allem zuviel"), unfähige Wettbewerber, steigende Produktionskosten. „Als Bäcker bin ich umzingelt von anderen Bäckern und Discountern“, sagte er. Sein Rat: Durch Unvergleichbarkeit des Produkts, aber auch des Services eine eigene Marke schaffen. „Züchter denken über Zucht nach wie ein Züchter und nicht wie ein Kunde“, kritisierte Bosselmann, der als passionierte Jagdreiter noch immer nach Irland reisen muss, um ein passendes Pferd zu finden. Seine Botschaft: Kein „Einheitspferd“, sondern gezielt ein Pferd für unterschiedliche Kundenkreise züchten. „Sie müssen für Ihr Produkt brennen. Sie verkaufen kein Pferd, sondern Liebe, Freude und Emotionen“, so Bosselmann.

Quelle: "fn-press"
 
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