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  News vom: 27.11.2013   |   News weiterempfehlen   |   News drucken  
  Gefahren aus dem Tierreich – Mythen und Wirklichkeit

 
 
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Schweinegrippe, Tollwut, EHEC…die Liste ist lang. Gegenwärtig sind ungefähr 200 Zoonosen bekannt. Keimträger sind jedoch längst nicht nur landwirtschaftliche Nutztiere oder Exoten – viele der Erreger finden sich auch im heimischen Garten. Doch wie gefährlich sind Hund, Katze und Zecke wirklich? Und wie kann man sich schützen?
Um bessere Präventionsmaßnahmen und Therapien entwickeln zu können, sind die Häuser der Klinikallianz Plus intensiv an Forschungsprojekten beteiligt.

Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation gehören Infektionskrankheiten zu den weltweit häufigsten Todesursachen des Menschen. Etwa zwei Drittel davon sind so genannte Zoonosen – Krankheiten, deren Erreger wechselseitig zwischen Tieren und Menschen übertragen werden können. Es sind aber nicht nur die großen und bekannten Seuchen, die eine Bedrohung darstellen. Auch im Kleinen lauert die Gefahr: so etwa das erkrankte Haustier, die infizierte Zecke im Garten oder das Nutztier als Überträger von Lebensmittel-assoziierten Infektionen.

Spielplatz, Park, Streichelzoo
Gerade Kinder, Immunschwache und Schwangere sind einem erhöhten Risiko ausgesetzt. Denn sie können auch von solchen Erregern befallen werden, die bei Menschen normalerweise nicht zu ernsten Infektionen führen. Kleinkinder stecken sich zudem leichter an, weil sich ihr Immunsystem noch im Aufbau befindet. Zusätzlich haben sie oft innigen Kontakt zu Tieren – sei es zur Ziege im Streichelzoo oder zum eigenen Haustier.

„Ein weiteres Risiko stellen durch Zecken übertragene Borrelien dar. Sie können schwere akute und chronische Erkrankungen beim Menschen auslösen“, so Prof. Klaus-Peter Hunfeld, Chefarzt des Zentralinstituts für Labormedizin, Mikrobiologie und Krankenhaushygiene am Krankenhaus Nordwest. In Deutschland ist die Lyme-Borreliose eine bekannte und gefürchtete Infektionserkrankung. Der typische Lebensraum der blutsaugenden Parasiten ist nicht mehr nur auf Waldränder und ländliche Regionen begrenzt. Zecken finden sich zunehmend auch in städtischen Parks mit ihren Spielplätzen und Kleingartenanlagen. Somit besteht – im Gegensatz zur Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) – in ganz Deutschland ein potentielles Borrelien-Infektionsrisiko für praktisch alle Altersgruppen der Bevölkerung. Im Routinebetrieb werde eine Lyme-Borreliose aber häufig fälschlich diagnostiziert oder aber übersehen – mit schwerwiegenden Folgen.

Da Angaben zur Häufigkeit der Lyme-Borreliose bisher nur sehr vage existierten, hat ein Forscherteam um Prof. Hunfeld versucht, zu einer verlässlicheren Aussage zu kommen. Die Untersuchung wurde vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert. Das Ergebnis: „In Deutschland werden jährlich bis zu 214.000 Menschen mit dem Erreger infiziert“, so Prof. Hunfeld.

Neben seiner Expertise in der Diagnostik Zecken-übertragener Infektionen organisiert das Institut in Zusammenarbeit mit der Deutschen Gesellschaft für Hygiene und Mikrobiologie (DGHM) und der Gesellschaft zur Förderung der Qualitätssicherung in medizinischen Laboratorien (INSTAND e.V.) deutschlandweit die externe Qualitätskontrolle auf dem Gebiet der infektionsimmunologischen Diagnostik von bakteriellen Erregern.

In der Schwangerschaft
Werden Erkrankungen wie Listeriose oder Toxoplamose während der Schwangerschaft auf den Fötus übertragen, kann dies zu massiven Organschäden des ungeborenen Kindes führen. Zumeist stammen die Erreger aus rohem Fleisch oder Rohmilchprodukten von Nutztieren. Mit Toxoplasmose kann man sich aber auch über Katzenkot anstecken – beim Reinigen der Katzentoilette, bei der Gartenarbeit oder durch den Verzehr von kontaminierten Lebensmitteln, etwa ungenügend gewaschenem Salat.

Erreger pendeln zwischen Mensch und Tier
Manche Berufsgruppen, wie zum Beispiel Landwirte oder Tierärzte, sind naturgemäß einem erhöhten Infektionsrisiko ausgesetzt, da sie oft mit Vektoren – den Organismen, die einen Erreger zum nächsten Wirtsorganismus transportieren – zusammentreffen.
Nicht nur für diese Personen geht eine deutliche Gefahr vom Wechselkreislauf der Übertragbarkeit aus. Tiere sind einerseits Infektionsquelle für den Menschen, andererseits können Erreger auch vom Menschen aufs Tier übertragen werden. Dieses dient dann als Reservoir für die Reinfektion des Menschen. Auf diese Art entstehen komplexe und häufig nur noch schwer nachvollziehbare Infektketten, die wissenschaftlich entschlüsselt werden müssen. Ebenfalls in den Forschungsfokus rückten in den letzten Jahren Erreger, die insbesondere Antibiotikaresistenzen übertragen, so etwa Methicillin-resistente Staphylococcus aureus (MRSA)-Bakterien oder hochresistente Darmbakterien. Diese Quellorganismen wurden bislang vor allem als Krankenhauskeime gefürchtet, breiten sich aber gegenwärtig außerhalb der Kliniken aus.

Schutz durch Prävention
So wie vor anderen Infektionskrankenheiten kann man sich in vielen Fällen auch vor Infektionen schützen, die von Tieren auf Menschen übertragen werden. Konsequente Händehygiene, insbesondere bei Umgang mit Tieren, ist hierbei besonders wichtig. Durch Impfungen und regelmäßige Haustierentwurmungen kann das Infektionsrisiko mit manchen Erregern zusätzlich deutlich verringert werden. Zudem sollten – gerade innerhalb der Risikogruppen – rohe Fleisch-, Eier- oder Milchspeisen gemieden werden. Um weitere Präventionsmaßnahmen und wirksame Therapien gegen Zoonosen entwickeln zu können, müssen der Übergang des Erregers vom Tier auf den Menschen und seine Anpassungsvorgänge an den neuen Wirt weiter erforscht werden.

Hoffnung durch Forschung
Das Jahr 2013 stand am Institut für Medizinische Mikrobiologie und Krankenhaushygiene des Universitätsklinikums Frankfurt ganz im Zeichen der Zoonosen: Im Januar wurde ein neues Standardwerk zu deren Diagnostik unter Leitung des Institutsdirektors, Prof. Volkhard Kempf, herausgegeben. Zudem führt das Institut seit diesem Jahr Forschungsprojekte zu Borrelien und zur Pathogenität und Diagnostik von Bartonellen durch, die beispielsweise im Rahmen eines Excellenzclusters vom BMBF gefördert werden. Bartonellen sind sehr langsam wachsende Stäbchenbakterien mit weltweitem Vorkommen. Da zahlreiche Säugetiere als Wirt für Bartonellen in Frage kommen, besteht keine Möglichkeit zur Elimination der Infektionsquelle. Das vom Robert Koch-Institut berufene Konsiliarlaboratorium für Bartonellen ist ebenfalls am Frankfurter Institut beheimatet.

Die Zusammenarbeit zwischen Human- und Tiermedizinern ist bei Zoonosen gegenwärtig noch wenig ausgeprägt. „Mit der Initiative One Health wollen wir den fachlichen Austausch von Human- und Veterinärmedizinern suchen, um gemeinsame Lösungsstrategien zu entwickeln“, so Prof. Kempf, „denn wir sind mit unseren unterschiedlichen Expertisen aufeinander angewiesen.“ Die Initiative One Health zielt auf den Ausbau der interdisziplinären Zusammenarbeit in der Gesundheitsversorgung von Mensch und Tier und die Verbreitung wissenschaftlicher Erkenntnisse. Zu diesem Zweck wird sich auch die kommende Ärztefortbildung der Klinikallianz Plus, die am Mittwoch um 18:30 Uhr im Frankfurter Zoo stattfindet, erstmals gleichermaßen an Humanmediziner und Tierärzte richten.

Quelle: "Geschäftsstelle der Klinikallianz Plus"
 
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