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Tödliche Keime vom Lande

Sobald irgendwo in Deutschland resistente Keime auftauchen, ist der Verursacher schnell gefunden: die „industrielle Massentierhaltung“. Regelmäßig wird dann die gleiche Sau - wahlweise kann es auch ein Huhn sein - durchs Dorf getrieben. Antibiotika-Resistenzen werden in Nutztierställen gezüchtet und bedrohen, über Küchen und Krankenhäuser, den Menschen. Schuld daran ist der Bauer. Jedenfalls wenn’s kein Bio-Opa ist - dazu später mehr.

Die resistenten Keime gelangen also vom Kuhstall direkt ins Krankenhaus. Tausende von Menschen werden krank oder sterben gar. Komisch ist nur, dass 95% der resistenten Keime gar nicht aus der Nutztierhaltung stammen, aber 95% der Berichterstattung sich trotzdem um landwirtschafts-assoziierte Keime drehen.

So manchem Redakteur scheint der Daumen auf dem Panik-Knopf festgewachsen zu sein. Und wir lesen, hören, sehen immer dasselbe. Nie ein Wort zu den zahlreichen Programmen und Initiativen von Tierärzten und Landwirtschaft zur Erfassung und Minimierung des Antibiotika-Verbrauchs. Dabei müsste man nur irgendeinen der Beteiligten fragen. Auch jeder Nutztierhalter weiß darüber Bescheid. Aber dem sollte man sich ja lieber nicht nähern – wegen der Keime.

So weit, so Mainstream und immer dasselbe. Oder etwa nicht?

Gerade das Fernsehen haut gerne immer in die gleiche Kerbe. Beim WDR z. B. schrillen jedes Mal die Alarmglocken, wenn in der Nähe eines Stalles zwei MRSA-Keime gefunden werden. Egal ob z. B. Carbapeneme überhaupt beim Tier eingesetzt werden oder nicht. Ein anderes WDR-Team bringt dagegen eine hervorragende Sendung über Krankenhauskeime zustande. Ganz ohne Bauern-Schelte.

2014 vermurkst Quarks & Co eine komplette Sendung zum Thema Kuh. Aber Journalisten aus der gleichen Redaktion, stellen ein Jahr zuvor eine wirklich gute Folge über Schweine zusammen. Das TV-Magazin „Panorama“ (auch der NDR ist gerne mal dabei, wenn es um Bauern-Bashing geht) veröffentlicht ein Spitzen-Interview zum Thema „Gefühlte und tatsächliche Bedrohungen des Verbrauchers“. Und spricht darüber nicht mit Pharmakritikern aus Posemuckel, sondern mit einer Wissenschaftlerin des Bundesamtes für Risikobewertung.

Die FAZ lobt unter der Überschrift „Der Genuss und sein Preis“ die Bio-Milchviehhaltung und behauptet, in den konventionellen Betrieben würden männliche Kälber direkt nach der Geburt getötet. Wo doch selbst PETA weiß, dass sie gemästet und dann als Kalbfleisch auf dem Teller landen werden. Im gleichen Blatt dagegen beschreibt eine andere Autorin detailliert, dass moderne Landwirte Unternehmer sind und „Ein Herz für die Kuh, ein Händchen fürs Geschäft“ haben.

Reporter der Tageszeitung „Die Welt“ schaffen es selbst im zweiten Anlauf nicht, das gesetzlich vorgeschriebene Platzangebot pro Schwein im Stall korrekt vom Quadratmeter auf Quadratzentimeter umzurechnen. Das Recherche-Team der „Süddeutschen Zeitung“ dagegen, stellt in kürzester Zeit eine ebenso umfangreiche wie lesenswerte Artikelserie unter dem Titel „Fressen und Moral“ zusammen, an der es fachlich fast nichts auszusetzen gibt.

Die Qualitätsunterschiede sind schlicht enorm, oft sogar im selben Haus.

Schnitzel XXL

Wir alle essen, pardon soll heißen: ihr anderen alle esst zu viel Fleisch. 60 kg pro Kopf und Jahr in Deutschland. Das ist sicher Weltrekord. Oder nicht? Wie - die Franzosen essen noch mehr Fleisch? Die sind doch alle auf Mittelmeerdiät! Stimmt. Zusätzlich zu 66 kg Fleisch essen sie noch 31 kg Fisch pro Kopf und Jahr. Der gemeine Deutsche kommt dagegen bloß auf 15 kg Fisch. Ein Isländer jedoch kann darüber nur müde lächeln, denn er verputzt 46 kg Fisch im gleichen Zeitraum. Da können sicher auch die 60 kg Fleisch nicht schaden, die er außerdem verdrückt.

Einige Menschen pflegen ein Weltbild, in dem Größe von vorn herein schlecht ist. Große Tierställe ebenso wie große Unternehmen, hohe Umsätze genauso wie hoher Exportzahlen. Dann ist der große Stall automatisch von Übel und „viel“ Fleisch ist ganz schnell „zu viel“. 107% Eigenversorgungsquote bei Fleisch und auch noch steigende Exporte! Komischerweise funktioniert der Größen-Reflex aber nicht immer. Deutschland ist Export-Weltmeister. Großartig! Volkswagen ist der größte Autohersteller Europas. Super! Aber Fleisch darf nicht exportiert werden. Warum eigentlich nicht?

Ach ja, den Bio-Opa hätten wir ja fast vergessen. Man kennt ihn, denn er kommt regelmäßig vor. Immer am Ende von Artikeln oder Fernsehbeiträgen, wenn die Alternative zur schreckliche Massentierhaltung gezeigt werden soll. Dann schlendert der freundliche Mann über den kopfsteingepflasterten Hof, in Richtung Fachwerkhühnerstall. In der Hand ein Eimerchen voller guter Bio-Körner, die er dann - mit gekonntem Schwung - seinen fünfzehn Bio-Hühnern vor die Schnäbel wirft. Dass er mit diesem Hühnerbestand nicht einmal das eigene Dorf mit Eiern versorgen kann und, selbst wenn alle seine Biokollegen mithelfen, gerademal Berlin eiermäßig zu Recht käme, ist egal. Es ist halt ein so schönes Bild. Genau wie in meiner Grundschul-Fibel damals - vor 50 Jahren.

… aber damit keine Missverständnisse aufkommen

Selbstverständlich werden durch den Einsatz von Antibiotika bei Nutztieren Resistenzen erzeugt. Genau wie in der Humanmedizin bedeutet Antibiotikaeinsatz auch hier schlicht Auslese. Die meisten Krankheitserreger werden erledigt, aber ein paar wenige überleben das Antibiotikum und vermehren sich anschließend konkurrenzlos. Gegen sie hilft das gleiche Mittel beim nächsten Mal nicht mehr.

Diese Art der natürlichen Auslese gilt es so gering wie möglich zu halten und das funktioniert nur durch verantwortungsvollen Einsatz von Antibiotika in der Tier- und Humanmedizin. Im Interesse des Menschen und - das wird leider oft vergessen – auch im Interesse von Hühnern, Schweinen und Rindern! Initiativen und Programme, wie eine deutliche Verbrauchsminderung funktionieren kann, gibt es genügend. Man muss sie nur zur Kenntnis nehmen.

Selbstverständlich gibt es viele vorbildliche Bio-Tierhalter, deren Ställe deutlich mehr Platz bieten und in denen es Schwein und Huhn wirklich gut geht. Aber die komplette Versorgung der Republik mit Bio-Fleisch und Bio-Eiern ist schlicht unmöglich. Selbst bei Halbierung des Pro-Kopf-Verbrauchs würde die landwirtschaftliche Nutzfläche Deutschlands nicht reichen, um auch nur das nötige Futter anzubauen.

Wenn aber in Zukunft immer mehr Verbraucher etwas weniger Fleisch essen und dafür etwas mehr bezahlen würden, könnten alle gemeinsam Landwirte und Ernährungsindustrie darauf verpflichten, dass diese Mehreinnahmen auch wirklich den Nutztieren zugute kommen.

Quelle: "Thomas Wengenroth"
 
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