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  News vom: 15.02.2015   |   News weiterempfehlen   |   News drucken  
  Neue gesetzliche Regelungen für mehr Tierschutz und bessere Tiergesundheit

 
 
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Wie jedes Jahr lud die TiHo auch 2015 zur Tagung „Veterinary Public Health“ nach Hannover ein. Wie jedes Jahr war die Veranstaltung im Handumdrehen ausgebucht und - wie jedes Jahr – auch höchst interessant.

Dieses Mal lautete das Generalthema „ Neue gesetzliche Regelungen zur Verbesserung von Tierschutz und Tiergesundheit in der Nutztierhaltung“ und deshalb standen „Die zu lösenden Tierschutz/Tierwohl-Probleme“ im Mittelpunkt der Veranstaltung.

Angesprochen wurden die hinlänglich bekannten Punkte wie: Schwanzkupieren beim Ferkel, Fußballengesundheit beim Mastgeflügel, ungenügende Nutzungsdauer der Milchkuh und einige andere mehr.

Für jedes Problem existieren auch Lösungsvorschläge und andere Länder berichten über Erfolge bei deren Umsetzung. Österreich, die Schweiz, Schweden und Norwegen verzichten aufs Schnabelkürzen beim Geflügel, das Enthornen der Rinder und kupieren keine Schweineschwänze mehr. Aber funktioniert dies auch in Deutschland?

Niedersachsens Verbot der Schnabelbehandlung von Moschusenten hatte einen drastischen Rückgang bei der Zahl der Haltungen zur Folge. Dass auch behornte Rinder im Laufstall gehalten werden können, belegte eine Dissertation bereits 1996. Am häufigsten sind Kühe mit Hörnern allerdings immer noch in Anbindeställen (gerade in auch Biobetrieben) zu finden, wie Prof. Thomas Richter ausführte. Zum Schwanzkupieren beim Schwein liegen mit die meisten Untersuchungen vor, aber immer noch gibt es keinen Königsweg, um die gefürchtete Kaudophagie zu verhindern.

Indikatoren fürs Tierwohl lassen sich in Stall und Schlachthof ermitteln. Über Wahlversuche bei Hühnern z. B. sprach Dr. Lars Schrader und wie diese zeigten, dass Hühner zum Aufbäumen hohe Stangen einem erhöhten Podest vorziehen. Aber auch, dass Puten, wenn man ihnen vier unterschiedlich stark mit Schmerzmitteln versetzte Schalen Wasser anbietet, mit zunehmender Mastdauer immer höhere Dosen wählen. Am Schlachtband ist das automatische Fußballen-Scoring beim Geflügel bereits Standard, ähnliche Systeme zur Beurteilung von Schweineschwänzen per Video sind in der Erprobung.

Allen Vorträgen war jedoch eines gemeinsam: ob Antibiotikaeinsatz oder Verlustraten, alle Statistiken zeigten eine immense Bandbreite. Verluste in der Schweinemast von 0,5 % im besten Betrieb bis zu 12% beim Schlusslicht. Kaum messbarer Antibiotikaverbrauch auf dem einen und beinahe Dauereinsatz auf dem anderen Hof. So fehlte auch in keinem Referaten der Hinweis: Auf den Halter kommt es an!

Betriebe in denen der Chef ein „Händchen“ für die Tiere hat, er oder sie sich Zeit nimmt für die Tierbeobachtung und Tiersignale tatsächlich auch versteht, zählen zu den Spitzenreitern. Insofern wäre die Zusammenführung aller Daten vom Schlachthofbefund über das Antibiotika-Monitoring bis zur HIT-Datenbank ein lohnendes Projekt.

Von Klima- und Fütterungstechnik bis zum Melkroboter mit Brunsterkennung hat modernste Technik längs Einzug in die Ställe gehalten. Die dadurch gewonnene Zeit nutzt aber nicht jeder Landwirt um seine Tiere zu beobachten. Manch einer verbringt sie viel lieber an der Biogasanlage oder auf dem Traktor.

Zwar wird die Eigenkontrolle vom Tierschutzgesetz gefordert, welche Punkte aber auf die Checkliste eines „Routinerundgangs“ gehören, wäre noch zu definieren. "Ist die nötige Betreuungsintensität zu erwarten", fragte Prof. Sabine Petermann, "wenn ein Betriebsleiter für fünf weit verstreut liegende Großanlagen verantwortlich ist?" Wie ist es um die Mitarbeiter-Qualifikation z. B. in der Geflügelhaltung bestellt, wenn diese aus völlig fremden Branchen kommen? Wollte man deshalb die „take home message“ des gesamten Seminars in einem Wort zusammenfassen, lautete dies schlicht: „Sachkunde“!

Wie aufwändig es ist gesellschaftliche Akzeptanz und konsensuale Lösungen für Tierschutz und Tierwohl zu finden, zeigte Dr. Jörg Baumgarte am Beispiel des niedersächsischen Tierschutzplans. Hier sollen Maßnahmen definiert und umgesetzt werden, die den Tieren zugutekommen, ohne dadurch den Tierschutz zu exportieren. 100 Personen aus 20 Institutionen und Gruppierungen arbeiten daran, dieses ehrgeizige Ziel bis 2018 umzusetzen.

Die öffentliche Diskussion über zukünftige Formen der Nutztierhaltung in Deutschland ist in vollem Gange. Und dabei ist es die Aufgabe der Tierärzte - wie Prof. Thomas Blaha es formulierte – die Lücke zwischen dem Gesetz und den Erwartungen des Bürgers zu füllen.

Quelle: "Thomas Wengenroth"
 
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