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  News vom: 04.10.2017   |   News weiterempfehlen   |   News drucken  
  Jean-Loup Rault ist neuer Professor

 
 
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am Institut für Tierhaltung und Tierschutz

Am Institut für Tierhaltung und Tierschutz der Vetmeduni Vienna hat seit heute, 2. Oktober 2017, ein neuer Professor die Leitungsfunktion übernommen. Mit dem gebürtigen Franzosen Jean-Loup Rault wurde ein international geprägter Spezialist für Verhalten und Schutz verschiedener Tierarten bestellt. Seinen derzeitigen Forschungsschwerpunkt, die Neurophysiologie, möchte er als neue Expertise am Campus einbringen und weiter ausbauen. In der Lehre möchte Rault angehende VeterinärmedizinerInnen „fit“ für die gesellschaftlich relevanten Themen seines Instituts machen.

Das richtige Verständnis für Tierschutz und artgerechte Haltung von Nutz- und Heimtieren ist ein wesentlicher Bestandteil der veterinärmedizinischen Ausbildung und Forschung. An der Vetmeduni Vienna werden diese Themen deshalb am gleichnamigen Institut für Tierhaltung und Tierschutz durch Lehre und Forschung aufgearbeitet und unterstützt.
Seit heute hat mit Jean-Loup Rault ein neuer Professor die Leitung dieses Instituts übernommen. Nach Forschungsstationen in den USA und Australien ist die Bestellung für den gebürtigen Franzosen nicht nur ein wichtiger Karriereschritt, sondern eine hervorragende Chance, um für seine Forschungsthemen, wie den neurophysiologischen Hintergründen des Verhaltens von Nutztieren, neue Perspektiven auf einem interdisziplinären Campus zu finden.

Über Ökonomie zum Tierverhalten und Tierschutz
Seine Karriere begann Rault mit einem Abschluss als Diplomingenieur für Agrarwirtschaft. Sein zweiter Abschluss im Fachbereich Tierverhalten bildete den Brückenschlag des gebürtigen Franzosen zwischen tierischer Produktion und Verhaltensforschung. In seiner PhD-Arbeit und den darauffolgenden Forschungsprojekten widmete er sich dem Tierverhalten und unterschiedlichen Aspekten der Tierhaltung bis hin zur Produktion.
Von Beginn an forschte der neue Professor der Vetmeduni Vienna dabei an verschiedenen Tierarten. „In den ersten Jahren beschäftigte ich mich neben Rindern und Geflügel auch mit Papageien. Während meines Engagements in den USA forschte ich vor allem mit Schweinen“, erzählt Rault. Für das US Department of Agriculture entwickelte er in diesem Zusammenhang auch Strategien und Entscheidungsbäume von der Zucht bis zur Fleischproduktion. Zusätzlich erforschte er Fortpflanzung und das Verhalten einer Kojotenart und arbeitete mit argentinischen Hochlandrindern. In Australien, wo Rault in kurzer Zeit das Äquivalent zur Habilitation in Österreich erlangte, befasste er sich zwar hauptsächlich mit Schweinen und Geflügel, aber auch mit Nischenlebewesen, wie Koalas. „Man könnte sagen, ich hatte die Möglichkeit mich jedes Jahr mit einem anderen Tier zu beschäftigen“, so der neue Professor. Zuletzt lag sein Fokus jedoch speziell auf den Themen Euthanasie und Schlachtung von Nutztieren, sowie den neurophysiologischen Veränderungen in Schweinen bei sozialen Interaktionen.

Tierische Neurophysiologie verstehen verbessert Verständnis für Verhaltensmuster
„Wir vergleichen zwar einerseits Verhaltensmuster von Tieren mit unseren eigenen, sprechen ihnen aber andererseits nicht das gleiche Verständnis zu, wie wir es empfinden“, erklärt Rault. „Tiere und im speziellen Schweine haben auch ein komplexes, soziales Verhaltensmuster, das durch ähnliche Prozesse, wie unseres, gesteuert wird. Ein Forschungsschwerpunkt von mir ist daher die Wirkung von Oxytocin.“
Dieses Hormon löst bei uns Menschen vor allem in einer positiven oder freundschaftlichen Gemeinschaft eine lockerere und gelöste Stimmung aus. Bei Schweinen, die in Natur in einer Rotte leben und damit ein hohes soziales Verständnis haben, zeigen sich ähnliche Muster auch bei der Interaktion mit Menschen. „Solche Parameter können uns bei der Tierhaltung zukünftig unterstützen und eine andere Wertigkeit für Verhaltensanalysen erzeugen“, so der neue Professor. Genau diese Denkweise hat Rault in Wien bei den Instituten am Campus und bei anderen, möglichen inländischen Kooperationspartnern entdeckt. „Dass es in Wien und vor allem am Campus der Vetmeduni Vienna ähnliche Forschungsprojekte und Denkweisen gab, hat mich zusätzlich für eine Bewerbung auf den Lehrstuhl motiviert. Ein derartiges Netzwerk ist international einzigartig.“

Sein zweites Forschungsgebiet betrifft mit der Entwicklung von verantwortungsvollen Euthanasie- oder Schlachtmethoden ein wichtiges, aber heikles Thema. „Gerade bei diesen Fragestellungen, bei denen sich die Sichtweise zwischen etwa Gesellschaft und Industrie stark unterscheiden kann, ist es wichtig, selbst objektiv zu bleiben.“ Objektive Forschung heißt für Rault neutral zwischen diesen Sichtweisen unter Berücksichtigung verschiedenster und manchmal auch nicht so offensichtlicher Einflussfaktoren zu arbeiten. So ist es Rault im Zusammenhang mit Euthanasie und Schlachtung auch wichtig den menschlichen Aspekt einzubinden. „Das berufsbedingte Töten von Tieren ist eine große emotionale Herausforderung für die Angestellten eines Schlacht- oder Farmbetriebes. Auch diesen Aspekt gilt es bei der Erforschung neuer Strategien zu beachten“, erklärt der neue Professor. „Im Prinzip ist die menschliche Komponente sogar häufig der Schlüssel, um Strategien für das Wohlergehen eines Tieres entwickeln zu können. Das Verständnis für die Aufgabe der Fürsorgepflicht, die der Mensch den Tieren gegenüber hat, ist von größter Bedeutung.“

Praxisorientierte Lehre
Sein Verständnis möchte Rault auch an seine zukünftigen StudentInnen weitergeben. „Ich sehe mich als einen Lehrer, der sehr beispielorientiert arbeitet und den Gedanken der Studentinnen und Studenten damit etwas Greifbares geben möchte. Viele unserer Themen können erst durch praxisorientierte Beispiele verstanden werden. Das möchte ich zukünftig in meiner Lehre forcieren“, so Rault. „Die Studierenden können über die praktische Erfahrung außerdem schneller lernen, welche Arbeitsperspektive für sie möglich und passend ist. Diese möchte ich über meine Lehre meinen Studentinnen und Studenten aufzeigen und auch anbieten.“

Quelle: "Veterinärmedizinische Universität Wien"
 
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